Seite 13: Neubeginn der Vereine
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(Anmerkung der Redaktion: bitte beachten, daß dieser Text aus dem Jahre 1971 stammt. Die Beschreibung der Vereine ist daher natürlich weit weg von der aktuellen Situation. Siehe dazu auch Sportfliegervereine auf dem Flugplatz Freiburg)
Ein Flugbetrieb auf privater Basis konnte bereits 1951/52 auf dem angestammten Flugplatz wieder aufgenommen werden. Es war der Initiative des „BVL" und des „Institutes für Segelflugforschung" zu verdanken, daß mit dem damaligen französischen Flugplatzkommandanten ein Gentleman-Agreement getroffen werden konnte, der den Mitgliedern der genannten Vereinigungen ein Betreten des Flugplatzes unter gewissen Voraussetzungen und den Betrieb von Segelflugzeugen gestattete. Auch 1963 war es der französische Flugplatzkommandant, der die offizielle Benutzung der nordwestlichen Flugplatzhälfte gestattete, indem er erklärte, daß der ausgearbeitete aber noch nicht unterschriebene Benutzungsvertrag als existent und gültig anzusehen sei. Diese beiden Fälle beweisen, welch verständnisvolle und harmonische Zusammenarbeit mit französischen Dienststellen möglich war, nachdem die ersten Nachkriegsjahre mit ihren Unzuträglichkeiten überwunden waren.
Als Bedarfsluftverkehr in bescheidenem Rahmen wurde durch Freiburger Geschäftsleute zunächst die „Freiburger Flugbetriebs-GmbH" ins Leben gerufen. Zu den ersten Maschinen gehörte eine Piper PA 22 (Tri Pacer) und ein Doppeldecker „Tiger-Moth". Diese Maschine stürzte am 30. 3. 1958 zwischen dem Gaswerk und der Kläranlage im Industriegebiet ab. Seit Kriegsende ereigneten sich darüber hinaus im unmittelbaren Flugplatzbereich zwei weitere, gravierende Unfälle: Am 15. 9. 1970 stürzte ein auswärtiger Flugschüler mit einer Cessna über dem Platz ab und am 30. 9. 1970 stießen ein französischer Hubschrauber und eine Freiburger Cessna 150 in der Luft zusammen. Der Hubschrauber konnte bei der Markuskirche in Freiburg-West notlanden, während das Sportflugzeug einen Personenwagen in der Heidenhofstraße streifte und schließlich an einem Baum in der Elsässer Straße hängenblieb. Bei aller Dramatik des Geschehens in einem Wohngebiet eine Situation, die durch das Können der Piloten gemeistert wurde; es gab „nur" Verletzte.
Dagegen ist der Flugschüler des Unfalls vom 15. 9. 70, der aus Karlsruhe kommend, Freiburg anflog, im Krankenhaus verstorben. Die übrigen Betriebsunfälle halten sich im „normalen" Rahmen; die Unfälle bei den französischen Truppen sind hier nicht erfaßt. In den ersten Jahren des Neubeginnens war das „Institut für Segelflugforschung" maßgebend an dem Wiederaufbau beteiligt. Der „Breisgauverein für Luftfahrt", der 1950 unter dem Vorsitz von Hermann Bohny wieder gegründet wurde und zunächst nur einen Modellflugclub betreiben konnte, war nach Aufhebung des Verbotes der Segelfliegerei 1951 sofort wieder aktiv geworden. Im Zuge der neu gewonnenen fliegerischen Aktivität wurde von 1952 bis 1954 im alten Bahnelektrizitätswerk zunächst eine Werkstatt eingerichtet, die dann in eine Baracke auf dem gleichen Gelände verlegt wurde. Seit 1956 domiziliert der „BVL" direkt auf dem Flugplatz und zwar auf dem nordwestlichen Teil des Fluggeländes am Scheibenweg, jetzt Hermann-Mitsch-Straße, wo eine eigene Segelflugzeughalle und ein eigenes Werkstattgebäude entstanden. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die beiden Gebäude - Wohnhaus und Flugzeughalle - des „Instituts für Segelflugforschung", das heute leider nur noch ein kümmerliches Dasein fristet, bis 1963 jedoch neben Forschungsarbeiten auch Segelflugausbildung in bedeutendem Rahmen betrieb.
(Anmerkung der Redaktion: die Gebäude werden seit dem vom "Deutschen Experimentalflug Freiburg e.V." genutzt und erhalten)
Weiter östlich etablierte sich seit 1964 der offizielle Teil des Flugplatzes mit Flugleitung, Restaurant, den technischen Anlagen und den drei privaten Motorflugzeughallen. 1965 wurde die Motorflugzeugschule Harter eingerichtet, ein sehr aktives Unternehmen, das 1967 schon über fünf Flugzeuge verfügte. Die Flugschule Harter setzt damit die Tradition der privaten Flugzeugführerschule Voss u. Haal der 20er Jahre und der staatlichen Einrichtungen von 1935 bis 1939 fort.
Der „BVL" hat der verstärkten fliegerischen Aktivität auch organisatorisch Rechnung getragen, indem er unter seiner Präsidialschaft Vereine für Motorflug, Segelflug und einen Fallschirmspringerclub einrichtete. Die Fallschirmspringer benutzten das ehemalige Peilhäuschen, das 1952 und 1967 hergerichtet wurde. Auch die „Akaflieg" - die Akademische Fliegergruppe - ist wieder auf dem Flugplatz mit einem aktiven Sportbetrieb vorhanden. Sie verfügt über 4 Segelflugzeuge, während der „BVL" 10 Segelflugzeuge und 16 Motorflugzeuge, einschließlich der privaten Maschinen, zur Verfügung hat.
Im übrigen benutzten die Fliegergruppen Emmendingen und Kinzigtal lebhaft das Freiburger Fluggelände. Es sollen noch die Veranstaltungen aufgezeichnet werden, die seit Kriegsende in offiziellem Rahmen auf luftsportlichem Gebiet stattgefunden haben. Hier ist zunächst das 1952 vom „Institut für Segelflugforschung" eingerichtete Trainingslager zur Segelflug-Weltmeisterschaft zu nennen. Bei der anschließenden Weltmeisterschaft in Spanien belegte der Leiter des Institutes, Dr. E. Frowein, den 2. und Hanna Reitsch den 3. Platz in der Doppelsitzer-Klasse. Der 13. September 1953 war der Auftakt für die vom „BVL" nach dem Kriege veranstalteten Flugtage. An ihm starteten der Schweizer Kunstflugmeister Ruesch und der Deutsche Segelflugmeister Albert Falderbaum, letzterer auf einem Segelflugzeug des Typs „Lo 100". Ferner wurde das vom Erlös einer Blutspendeaktion der Mitglieder angeschaffte erste vereinseigene Flugzeug, eine „Doppelraab", vorgestellt. Seine Taufe fand tags zuvor im Paulussaal statt. An dieser Veranstaltung nahmen sowohl Regierungspräsident Dichtel als auch Oberbürgermeister Dr. Hoffmann teil.
Am nächsten Flugtag, durchgeführt am 30. 5. 1954, sah man erstmals einen Hubschrauber (der Persilwerke) vom Typ „Sikorsky" S 51 G, während man den Schweizer Kunstflieger Sallaz auf einer „Bücker-Jungmeister" bewundern konnte. Auch am 12. Juni 1955 fand ein Flugtag statt. Aus Anlaß seines 50jährigen Bestehens veranstaltete der „BVL" am 19. 5. 1957 einen Großflugtag. Hier begegnen wir wieder Albert Falderbaum mit der Vorführung einer „RW 3" und im Kunstflug auf einer „Lo 100". Dr. E. Frowein führte seinen Motorsegler „Moraab" vor. Im übrigen waren französische Düsenjäger und die „Burda-Staffel", die eigentlich nur eine Kette ist, zu sehen.
Zu Beginn der Veranstaltung wurde der Freiballon „Augusta VI" aufgelassen. Auf die anderen Programmnummern, wie Fallschirmabsprünge, Ballonrennen. Schlepp- und Modellflugzeugvorführungen, die für alle Flugtage fester Bestandteil sind, soll nur allgemein hingewiesen werden. Diese Programmfolge beherrschte im Wesentlichen auch den Flugtag vom 17. Mai 1959.
Eine Besonderheit war hier die erstmalige Vorführung einer „DO 27" der Heeresfliegerstaffel Geb. 8, Oberschleisheim und der Aufstieg des Freiballons „D-Rheinland-Pfalz" unter Ballonführer Theo Schlüter aus Neustadt a. W. Der Kunstflug auf einem Segelflugzeug „Lo 100" wurde dieses Mal von Max Beck von der „BWL V "-Segelflugschule Hornberg ausgeführt. Die Programmfolge sagte die in Freiburg wohnende weltbekannte Langstreckenfliegerin Elly Beinhorn-Rosemeyer an. In Verbindung mit den „Deutschen Segelflugmeisterschaften" 1962, die vom 26. 5.-9. 6.1962 in Freiburg abgehalten wurden, fand am 11.6.1962 ein weiterer Großflugtag statt, dessen Programm weitgehend dem des Jahres 1959 glich. Es folgte dann eine vierjährige Pause, bis am 29. Mai 1966 der vorläufig letzte Flugtag durchgeführt wurde. Auf ihm wurde der „Fieseier-Storch" vorgeführt, der seit 1962 in Freiburg ein neues Nest fand. Unter der kundigen Führung von Karl Eckert begeistert er nicht nur an Flugtagen die Freiburger.
Der „Storch" ist mit Recht zur populärsten Maschine auf unserem Flugplatz geworden. Sie wurde 1943 gebaut für die schwedische Luftwaffe und kam auf dem Umwege über Östereich 1962 nach Deutschland zurück. An dem Flugtag 1966 wurden von den Franzosen gleich zwei Hubschrauber vorgeführt: von der Luftwaffe eine „Sikorsky", vom Heer eine „Alouette". Beim Fallschirmsprung war die Prominenz vertreten: Giorgio Lardinelli aus Pisa mit seinem Tulpenfallschirm und der Waldshuter Werner Wollensack mit einem Drachenfallschirm. Flugtage wurden seither in Freiburg nicht mehr abgehalten. Bestimmt sind einengende Sicherheitsvorschriften mit dafür verantwortlich, denn sie beeinträchtigen die Attraktivität derartiger Veranstaltungen. Dagegen werden die „Deutschlandflüge" und der „Südwestdeutsche Rundflug" nach wie vor veranstaltet und Freiburg zeitweise mit einbezogen. Für den „Süddeutschlandflug" war Freiburg 1966 Etappenort, für den „Südwestdeutschen Rundflug" am 31. 5. 1969. Zwischenstation machte auch der „Deutschlandflug" am 18. 6. 1969 für die Gruppe I mit 50 Maschinen. Anläßlich der 850-Jahrfeier der Stadt Freiburg wählte der „Südwestdeutsche Rundflug" den Platz am 11. 7. 1970 zu seinem Zielort. Die Veranstaltungen der Segelflieger gipfeln in sportlichen Höhenflügen über dem Schwarzwald und über den Vogesen. Für ein breiteres Publikum sind die „Freiburger Segelflugwochen" der „Akademischen Fliegergruppe" e. V., Freiburg, von Interesse. Sie fanden vom 11.-18. 4.1970 und vom 8.-16. 4.1972 statt. Besondere Aktivität entwickelt der „Breisgauverein für Fallschirmsport", der mit seinen „Zielspringen" um den „Breisgau-Pokal" zu internationalem Ansehen gelangte. Die „Internationalen Fallschirm-Zielspringen" fanden bisher am 6. 7. 1968, vom 5-6. 7. 1969, vom 3.-5. 7. 1970, vom 4.-5. 9. 1971 und vom 3-39 1972 statt. Auch für Veranstaltungen der Bundeswehr wird der Platz gelegentlich benutzt. So am 8. 7. 1967 für eine Waffenschau des Reservistenverbandes, am 25. 9. 1969 für eine Ausstellung der Bundeswehr mit dem Titel „Unser Heer" und für Geräteausstellungen anläßlich des französischen „Tages der offenen Tür". Ein Volks- und Kinderfest zum 850jährigen Stadtjubiläum wurde vom 7.-14. 6. 1970 ebenfalls auf dem Flugplatz abgehalten. Dazu kam am 13. 6. 1970 der Aufstieg des Freiballons „Graf Zeppelin".
Ein echtes Luftschiff bekamen die Freiburger im September 1967 zu Gesicht. Mehrere Tage war der „Reklame-Zeppelin" der Firma Schwab von Freiburg aus für Rund- und Reklameflüge eingesetzt. Das Luftschiff war während des zweiten Weltkrieges Ubootjäger der US-Marine. Es wurde bald nach dem Freiburger Aufenthalt nach Japan verkauft und ging dort bei einem Unglück zu Grunde. Als freundschaftliches Bindeglied hat sich der Flugplatz auch in der jüngsten Geschichte bewährt. So war er Besuchsziel des amerikanischen Luftwaffenattaches, Colonel Simpson und seines Stellvertreters, Oberstleutnant Dunlop, am 5.11.1969. Fliegerkameraden aus Besancon waren am 8./9. 3. 1969, aus Padua vom 7.-14. 9. 1969 zu Gast; wie überhaupt Flieger aus diesen beiden Freiburger Partnerstädten und aus Innsbruck häufig den Flugplatz anfliegen.
1972, das Jahr des 60jährigen Bestehens des Flugfeldes, bestätigt die wachsende Beliebtheit und Notwendigkeit des Flugplatzes. Der bescheidene Anfangsbestand an Flugzeugen in den 50er Jahren hat sich per l. 10. 1972 auf 43 ständig stationierte Maschinen erhöht. 18 Flugzeuge gehören alleine der Flugschule Harter, die ein bundesweites Interesse findet und jetzt auch die Vertretung der französischen Flugzeugfirma Robin in Dijon betreibt.
Vielleicht entwickelt sich nunmehr auch in Freiburg eine echte gewerbliche Nutzung des Platzes, wie dies bei den Flugplätzen von Baden-Baden und Donaueschingen- Villingen schon seit langem der Fall ist. Diese Entwicklung bedingte auch 1969 die Errichtung einer 4. Flugzeughalle durch den „Breisgauverein für Luftfahrt", der 1972 eine fünfte Halle folgte, diesmal mit Werkstatt und von der Flugschule Harter erstellt. Diese Investitionen sind um so beachtlicher, als die Baugenehmigungen mit dem Recht des jederzeitigen Widerrufs erteilt wurden, da Bestand und Umfang des Platzes immer noch in der Diskussion sind. Ob eine Schließung oder Verlegung des Freiburger Flugplatzes nach der hier dargelegten Entwicklung eine sinnvolle Lösung darstellen würde, wird man bezweifeln müssen.
(Anmerkung der Redaktion: im Jahre 2007 steht der Platz nicht mehr zur Disposition: die Freiburger hatten sich in einer Bürgerbefragung eindeutig für den Erhalt des Flugplatzes ausgesprochen und heute steht auch der Gemeinderat zum Freiburger Flugplatz.
Sowohl für die Wirtschaft Freiburgs - allen voran die neue Freiburger Messe auf dem Flugplatzgelände - als auch für die Uniklinik, ist die Nutzung des "City-Flugplatzes" wichtig. So wurde im Rahmen einer Anpassung an Europäische Gesetzgebung eine Verlängerung der Nutzungslänge der vorhandenen Landebahn beschlossen.
Gleichzeitig zeigt sich der Flugplatz als eigener Wirtschaftsstandort, wertvolles Sportgelände für 11 Vereine, Biotop, Naherholungsgebiet und "grüne Lunge" Freiburgs.)
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