Seite 12: Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg
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(Anmerkung der Redaktion: bitte beachten, daß dieser Text aus dem Jahre 1971 stammt, und der Flugplatz längst nicht mehr militärisch genutzt wird)
Am 21. April 1945 wurde Freiburg von französischen Truppen besetzt. Der Flugplatz wurde von der französischen Besatzungsmacht, der „Force Francaise en Allemagne (FFA)", übernommen. Zunächst benutzte jedoch die amerikanische Luftwaffe mit Piper-Verbindungsflugzeugen den Platz für kurze Zeit.
Die Amerikaner legten auch die jetzt noch verwandte Stahlrost-Startbahn und änderten dabei die Richtung der Startbahn von 220°/040° auf 345°/165°. Sie verläuft nunmehr vom Hauptfriedhof zum Mooswald und nicht mehr von dem Platz der heutigen Segelflughalle zum Bahndamm am Weidweg.
Den Amerikanern folgte nach einigen Wochen die franz. Luftwaffe, und zwar das 33. Aufklärungsgeschwader mit zwei von drei Gruppen. Eine Gruppe war mit über 20 Maschinen des Typs Mustang P-51, die andere mit ebenfalls über 20 Flugzeugen des Typs Lockheed Lightning P-38 ausgerüstet. Diese Einheit wurde 1950 nach Cognac verlegt. Bis 1966 wurde dann eine nichtfliegende Einheit, die 253. Luftnachrichtenkompanie, stationiert, die auch Rekruten ausbildete.
Für sportliche Zwecke stand und steht ein Segelflugzeug zur Verfügung. Für Nachschub- und Kurierdienste stand der Platz jedoch laufend zur Verfügung. Von den Nahaufklärern Piper L 4 und LL 17 sowie den „Fieseier Storch"-Nachbauten der Firma Saulnier in Metallbauweise bis zu den Transportmaschinen „Noratlas", Breguet 941, Transall und DC 3 (der Kanadier) sah man einen bunten Katalog unterschiedlicher Flugzeugtypen.
Im September 1966 zogen französische Heeresflieger, die Galdiv. 3 (Groupe d' Aviation legere de la 36 Division), auf dem Flugplatz ein. Mit ihnen kamen Hubschrauber der Typen Alouette II und III, sowie H 19 (S 55) Sikorsky. Letztere wurden zu Beginn des Jahres 1972 durch die neuere franz.-brit. Konstruktion SA 330 Puma ersetzt. Zweck des Verbandes ist es, die Weiterbildung und taktische Ausbildung der Piloten zu betreiben. Hubschrauber verursachen eine größere Lärmbelästigung und ihr „Lärmpegel" wird oftmals den harmlosen Sport- und Reiseflugzeugen angelastet. Die französischen Dienststellen sind jedoch mit Erfolg bemüht, den Lärm bei An- und Abflügen so gering wie möglich zu halten. Übungsflüge über Wohngebieten werden nicht unternommen.
Eine sympathische Einrichtung der „Base Airienne" (Base Chaudessolle) ist ohne Zweifel der alljährlich stattfindende „Tag der offenen Tür", der jeweils im Juni ein beliebtes Besichtigungs- und Vorführprogramm bietet. Ihn bestreiten nicht nur die örtlichen Heeresflieger, sondern auch andere französische und teilweise auch deutsche Militäreinheiten und die Gendarmerie. Obwohl der Flugplatz auch heute noch etwa zur Hälfte von den französischen Stationierungstruppen belegt wird, so wurden die Weichen für einen kommerziellen Luftverkehr schon frühzeitig gestellt.
Am l. Januar 1965 trat der Benutzungsvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Freiburg und den französischen Militärbehörden in Kraft. Mit ihm erhielten die am Freiburger Luftverkehr interessierten Kreise offiziell die nordwestliche Platzhälfte zur Ausübung des Motor- und Segelfluges zur Verfügung gestellt. Praktisch haben die Bemühungen um eine Bedarfsluftverkehrslinie bereits am 6. August 1963 begonnen, als Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel eine derartige Linie nach Stuttgart eröffnete. Am 16. Juli 1965 kam die Eröffnung einer Bedarfslinie nach Konstanz. Beide Linien mußten nach kurzer Zeit mangels Interesse eingestellt werden. Geflogen wurde von ortsansässigen Piloten mit Sportmaschinen.
Einen neuen Anlauf unternahm man am l. September 1972 mit einem „Bedarfsluftverkehr mit festen Abflugzeiten". Die Bremer Chartergesellschaft „Luftmerkur" eröffnete an diesem Tage den Linienbetrieb nach Frankfurt mit einem Prominentenflug, an dem auch Oberbürgermeister Dr. Keidel und Flughafendirektor Arnst teilnahmen. In den ersten Wochen wurde eine 14sitzige und viermotorige De Havilland D. H. 114 eingesetzt. Am 18. 9. 1972 wurde die Strecke über Stuttgart gelegt und eine achtsitzige, zweimotorige „Britten Norman" benutzt. Von Montag bis Freitag war der Abflug in Freiburg morgens, die Rückkehr gegen Abend. Über das Wochenende bestand die Möglichkeit des Direktfluges nach Hamburg. Bei den Flugzeiten ist zu berücksichtigen, daß der Freiburger Flugplatz offiziell als Verkehrslandeplatz mit Gewichtsbeschränkung genehmigt, jedoch nur ein Sichtflug- betrieb (VFR) möglich ist. Ende Oktober 1972 mußte auch dieses Vorhaben mangels Rentabilität aufgegeben werden.
Der Gedanke festigt sich, daß ein einigermaßen rentierlicher Flugbetrieb nur auf einer Strecke Zürich-Freiburg-Frankfurt möglich erscheint. Wenn der Flughafen Blotzheim (Basel/Mulhouse) weiter ausgebaut und die Zufahrt von Freiburg aus wesentlich verbessert ist, wird ein linienmäßiger Bedarfsluftverkehr von Freiburg aus ohnehin illusorisch. Bis dahin sollte der Freiburger Verkehrslandeplatz weiter ausgebaut werden, wobei man bei einer Verlängerung nach Nordwesten im Osten und Süden bzw. Südwesten immer noch Gelände für andere Zwecke bereitstellen kann.
Freiburg liegt an zwei Entwicklungsachsen für Wirtschaft, Handel und Gewerbe. Ein relativ gut ausgebauter Platz ist heutzutage eine unbestreitbare Notwendigkeit. Die Belange des Sportes und der allgemeine Freizeitwert dürfen ebenfalls nicht unterschätzt werden. Schon im Jahre 1934 bezeichnete ein Gutachten die Lage des Platzes, also die Stadtnähe, als ideal.
Heute ist das Zeitproblem noch mehr in den Vordergrund gerückt, so daß die Aussage von 1934 besonders aktuell ist. Der Umstand, daß die Einflugschneisen des Nato-Flugplatzes Bremgarten die Verlegung des Freiburger Verkehrslandeplatzes in noch zumutbare Entfernung unmöglichen machen, kommt dem Bestand des Platzes entgegen. Dann haben vielleicht auch Stadtplaner und „lärmgeschädigte" Bewohner den Wert des Platzes erkannt. Von den Hubschraubern einmal abgesehen, ist die Lärmbelästigung durch die für den Freiburger Flugplatz in Betracht kommenden Maschinen geringer als die durch Mopeds und Rasenmäher. Auch schreitet die technische Entwicklung bezüglich Sicherheit und Lärmdämpfung stetig voran.
Auch die Statistik belegt die Notwendigkeit und die Beliebtheit des Flugfeldes. Betrugen Starts und Landungen 1964 nur 8700, so stiegen diese Flugbewegungen1965 bereits auf 19500, ohne Segelflugzeuge und französische Militärmaschinen. Die 1966 erreichte Zahl von 29463 Flugbewegungen, einschließlich 4584 Segelflugbewegungen, jedoch ohne Militärflugbetrieb, scheint die Durchschnittskapazität zu sein.
Zwischen 29000 und 30000 bewegten sich Starts und Landungen bis 1972. Dabei ist jedoch auffällig, daß sich der Geschäftsflugbetrieb um 40 % erhöhte. Der Auslandsflugbetrieb hat sich mehr als verfünffacht. Er stieg von 278 Flugbewegungen bei 387 Personen 1966 auf 1224 Flugbewegungen und 1400 Personen im Jahre 1971. Einer Stadt, die auf Wirtschaftskraft und Auslandsbeziehungen Wert legt und auf sie besonders angewiesen ist, sollten diese Aspekte zu denken geben.
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