Seite 11, 30er/40er Jahre: Der Flugplatz und die Luftwaffe
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Nach der Bedeutung des Freiburger Flugplatzes für Wirtschaft und Sport ist es interessant festzustellen, in welchem Maße der Flugplatz für die Vorbereitung und Durchführung des zweiten Weltkrieges benutzt wurde. Die neue deutsche Luftwaffe wurde durch Erlaß des „Führers" vom 26. 2. 1935 offiziell gebildet und bereits am l. 3. 1935 der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit der Wiederherstellung der Wehrhoheit im Rheinland wurde Freiburg am 7. 3. 1936 Garnisonsstadt. In jene Zeit fällt auch der Aufbau einer Luftwaffe auf dem Flugplatz, und zwar in Form der „Übungsstelle für die Luftgaureserve 15". Diese per l. 4. 1935, noch in Verbindung mit dem „Deutschen Luftsportverband", eingerichtete Übungsstelle wurde im November 1935 von einer privaten Einrichtung in eine etablierte staatliche Übungsstelle umgewandelt, die ab 1.4. 1936 die Fliegerkaserne mit dem Wirtschaftsgebäude als offiziellen Sitz übernahm.
Im Jahre 1935 war die Übungsstelle der Luftgaureserve 15 noch in der Funker-kaserne an der Elsässerstraße, im Wirtschaftsgebäude der Fliegerkaserne und in einem Teil des Torminschen Anwesens untergebracht. Im April 1936 wurde die Übungsstelle 15 offizielle Einrichtung der neugegründeten Luftwaffe und übernahm die Fliegerkaserne, während die Funkerkaserne aufgegeben wurde. Hauptmann Wehinger wurde erster Flugplatzkommandant. Er hatte sich jedoch mit der zivilen Flughafenverwaltung und der Flugleitung abzustimmen. Lediglich die Luftaufsicht zwischen Breisach und Villingen, sowie zwischen Wolfach und Waldshut, wurde der Luftwaffe unterstellt. Erst im Herbst 1941, wahrscheinlich zum 1.11. 1941, übernahm die Luftwaffe den Platz in eigene Regie; er wurde zum Fliegerhorst. Bemühungen von Bürgermeister Dr. Hofner als zuständigem Dezernenten, bereits 1936 den Platz in größerem Umfange von der Luftwaffe genutzt zu wissen, wurden mit dem Hinweis auf die Reichweite französischer Geschütze - 1936! - abgelehnt. Die Befürchtungen sollten sich 1940 erfüllen, als Freiburg kurzfristig von einem französischen Eisenbahngeschütz beschossen wurde.
Im Turm neben der Flugzeughalle domizilierte 1936 der „Deutsche Luftsportverband" (DLV), der am 19. April 1937 vom „Nationalsozialistischen Fliegerkorps" (NSFK) abgelöst wurde. Dieser paramilitärische Verband widmete sich ebenfalls der Pilotenausbildung und wurde im alten Bahnelektrizitätswerk untergebracht. Die „Lufthansa" benutzte den nordwestlichen Teil des Torminschen Anwesens. Im Turm der Lufthansahalle wurde die Luftaufsicht mit Funkbetrieb, Flughafenleiter und Wetterdienst (Dr. Lossnitzer) untergebracht. Erst mit der Fertigstellung des „Lufthansa-Empfangsgebäudes" an der „Hohen Brücke" 1941 wurden alle technischen und organisatorischen Leitungsstellen vereint. Sie blieben dann allerdings der Luftwaffe vorbehalten.
Der Ausbau der Übungsstelle zur Pilotenvollschulung für die Scheine A und B, zum Training und zur Umschulung, vollzog sich im Herbst 1937. Der jetzt von Major Bärenfänger geleiteten Schule gehörten so berühmte Offiziere wie Prinz zu Sayn-Wittgenstein als Fluglehrer an. Der Platz bot ein buntes Bild an Flugzeugtypen. Zum festen Bestand scheinen folgende Typen gehört zu haben; Klemm L 20, Arado-Doppeldecker Ar 65 oder Ar 66 und Ar 68, eine Focke-Wulf Fw 44, eine Junkers W 34 und Gotha Go 145. Andere Maschinen wie Bücker 131 „Jungmann", Focke-Wulf FW 56 „Stößer" und FV 58 „Weihe", Heinkel-Kadett und Klemm 32 B XIV, waren oftmals nur kurzfristig im Wechsel mit anderen Flugplätzen, wie Landsberg, Crailsheim und Ingolstadt, stationiert. Für die Blindflugschule der Luftwaffe in Erding war Freiburg Zielplatz.
Zur Überwachung der Grenze nach Frankreich und zur Schweiz wurde 1938/39 eine Polizeifliegerstaffel ins Leben gerufen. Zunächst scheinen zwei armierte Arado Ar 68 eingesetzt gewesen zu sein. Diese wurden jedoch bald durch zwei Schlachtflugzeuge Henschel Hs 123 abgelöst. Auch ihr Dienst endete mit Kriegsbeginn. Die Angaben über die Platzbelegung von 1936 bis 1945 leiden unter der Tatsache, daß weder das Bundesarchiv noch das Militärgeschichtliche Forschungsamt über Unterlagen über den Flugplatz verfügen. Die Akten wurden bei der Verlegung der Einheiten mitgenommen und bei Kriegsende offensichtlich verbrannt. Der Verfasser war daher genötigt, widersprüchliche Zeugenaussagen zu filtern. Diese Unsicherheit kommt auch bei der Schilderung der Vorgänge bei Kriegsbeginn zum Ausdruck. Anhaltspunkte liefert das sich im Freiburger Stadtarchiv befindende Raumprogramm für das neue „Lufthansa-Empfangsgebäude".
In ihm sollten 1939/40 untergebracht werden: Lufthansa, Luftaufsicht, Polizei-Flugbereitschaft, Radiosondenaufstiegsstelle, Wetterwarte, Flugsicherung, Luftnachrichtenamt, Bildstelle und eine nicht näher bezeichnete Einrichtung für Luftwaffenoffiziere. Nach Zeugenaussagen soll es sich um eine Abhörstelle gehandelt haben. Die „ungeklärte Stelle" legt in Verbindung mit dem Luftnachrichtenamt und der Bildstelle den Schluß nahe, daß von Freiburg aus spezielle Erkundungsflüge durchgeführt wurden. Beobachter des Platzgeschehens jener Jahre nennen in diesem Zusammenhang die Fliegertechnische Schule München und die Luftnachrichtenstelle A7/VII Memmingen. Nicht sicher ist, ob dazu eine speziell eingerichtete Ju 86 verwendet wurde. Mit Sicherheit war ein Aufklärungsflugzeug Do 17, später ein Potez-Aufklärer und eine Ju 88 stationiert. Die Echolotflüge 1939 wurden von einer He 111 durchgeführt. Sie endeten mit dem Absturz der Maschine in den Mooswald.
Zu Beginn des Westfeldzuges war eine Staffel Me 109-Jagdflugzeuge auf dem Platz stationiert. Da die technischen Einrichtungen einen Nachtflugbetrieb nicht gestatteten, wurden die Maschinen abends nach Böblingen verlegt, um am frühen Morgen wieder in Freiburg zu landen. Zu ihren Aufgaben gehörte auch der Jagdschutz für die Sturzkampfflugzeuge Ju 87 anläßlich ihres Einsatzes gegen die Maginotlinie. Unterschiedlich äußerten sich Zeugen darüber, ob die Ju 87 zeitweise auch vom Freiburger Flugplatz aus eingesetzt wurden und ob der Begleitschutz teilweise Me 110-Zerstörern oblag. Die Platzverhältnisse hätten den Einsatz aller dieser Typen gestattet.
Flugzeuge auf dem Platz ein Stelldichein. Das umfangreichste Beutegut bildete eine Staffel Moräne-Jagdflugzeuge. Auch im weiteren Verlauf des Krieges sah man in Freiburg fast alle Baumuster der Luftwaffe, da der Platz für Zwischenlandungen, Wartungen und Reparaturen rege benutzt wurde. Unter den Maschinen, die den Fliegerhorst für Zwischenlandungen benutzten, gehörten auch die FW 200 „Condor" des Großadmirals Dönitz und des Generalfeldmarschalls Keitel
Der Flugplatz hatte während des zweiten Weltkrieges auch eine Stammbelegung. Ende 1941 wurde eine Fallschirmjäger-Kampfbeobachterschule (Fallschirmjäger-Absetzerschule) eingerichtet, die bis zum Herbst 1944 bestand. Ihr Kommandeur war Major, später Oberstleutnant, Willerding. Ausgerüstet war die Schule mit Maschinen des Typs He 111, die besonders eingerichtet wurden. Die Flugzeuge wurden auch für Schleppschulungen am Lastensegler DFS 230 verwendet. Als Verbindungsflugzeuge wurden andere Typen benutzt, darunter zwei „Fieseier Störche". Die Verlegung etwa im November 1944 soll nach Laupheim erfolgt sein.
Als der Westen mit Beginn der alliierten Invasion in der Normandie am 6. Juli 1944 wieder Kriegsschauplatz wurde, war gegen Jahresende 1944 der Freiburger Flugplatz wieder Einsatzhafen für die Me 109. Allerdings waren es nur noch einzelne Maschinen, die zur Erdkampfunterstützung eingesetzt werden konnten. Bis zum Februar 1945 blieb der Platz von der Luftwaffe belegt. Dem Fliegerhorstkommandanten stand eine Horstkompanie und technisches Personal für Instandsetzungen zur Verfügung, die sog. „Werftkompanie". Durch zurückgehende Einheiten hatte die Horstkompanie 1944/45 zeitweise eine Stärke bis zu 300 Mann, während die Normalbelegung unter 100 Mann lag. In jenen Monaten war Oberst Härle Fliegerhorstkommandant. Zum Ausheben von Stellungen und zur Einebnung von Bombentrichtern, der Platz wurde ab 27. 11. 1944 mehrfach angegriffen, wurden Italiener herangezogen. Etwa 7 Flakstellungen waren am Platzrand ausgehoben worden, bestückt mit 2-cm-Flak. Mindestens die Flakstellung am Mooswaldrand hatte eine 2-cm-Vierlingsflak als Bestückung. Nach dem Abzug der Fallschirmjägerschule im Herbst 1944 wurde der Platz nur noch sporadisch mit Flugzeugen belegt. Er diente für Zwischenlandungen und für Reparaturen. Die restlichen Angehörigen der Horst- und Werftkompanie wurden im Februar/März 1945 in ein Waldlager bei Hüfingen abgezogen. Für den Freiburger Flugplatz war der Krieg damit zu Ende.
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