Seite 9, 30er/40er Jahre: Das Projekt "Weltluftschiffhafen Freiburg"
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Die Jahre 1928 bis 1930 waren aber auch von einem anderen, weltbedeutenden Ereignis gekennzeichnet: Freiburg sollte Weltluftschiffhafen werden. Diese Nachricht, von Dr. Hugo Eckener im Oktober 1928 anläßlich der Amerikafahrt von „LZ 127" lanciert, schlug in Freiburg wie eine Bombe ein. Dr. Eckener brachte bei einem Zeitungsinterview zum Ausdruck, daß die meteorologischen Verhältnisse in dem Gebiet der südlichen Oberrheinebene ideal für einen zentralen Luftschiffhafen im Weltflugverkehr seien. Er nannte besonders die Gebiete zwischen Freiburg und Basel, schloß jedoch auch einen etwas nördlicher liegenden Platz nicht aus.
Seit Beginn der Verkehrsfliegerei sei die vorzügliche „aeropolitische Lage des Oberrheingebietes bekannt, und damit für eine transozeanische Aeronautik bestens geeignet". Es gab kaum eine Stadt in Baden, die sich aufgrund der alarmierenden Meldung nicht Chancen ausrechnete, Weltluftschiffhafen zu werden. Lediglich Mannheim und Heidelberg waren zurückhaltend. Selbst kleine Gemeinden wie Efringen-Kirchen und Eimeldingen bewarben sich um den Luftschiffhafen mit dem Hinweis auf ihre Geländereserven und ihre günstige Lage zu Basel. Selbstverständlich war es, daß die alte Rivalität zwischen Baden-Oos, Karlsruhe und Freiburg wieder offen zum Ausbruch kam, wobei Baden-Oos daruf hinwies, daß es bereits zwei Jahre eine Luftschiffhalle in Betrieb hatte, die lediglich aufgrund der Ereignisse des ersten Weltkrieges abgebrochen wurde.
Auch Müllheim und Lahr-Dinglingen boten ihre guten Dienste an, wobei Lahr besonders auf seine geräumige Fliegerkaserne aufmerksam machte. Auf einer Fläche von 5 qkm sollten vier Hallen für den Verkehr und für die Werft gebaut werden, wobei auch daran gedacht war, die Werft in Friedrichshafen zu belassen und nur den transozeanischen Luftschiffverkehr von dem neuen Platze aus abzuwickeln.
Diese Situation veranlaßte den Oberbürgermeister Dr. Bender und den zuständigen Referenten, Bürgermeister Hölzl, bereits am 25. 10. 1928 dem Generaldirektor Kommerzienrat Colzmann vom Zeppelin-Konzern in Friedrichshafen das Interesse der Stadt Freiburg an der Etablierung des Luftschiffhafens zu bekunden. Am 29. 10. 1928 fuhr Bürgermeister Hölzl zu direkten Verhandlungen nach Friedrichshafen, wo die Oberbürgermeister von Karlsruhe und Baden-Baden ebenfalls anklopften. Auch die Universität Freiburg unterstützte indirekt die Bemühungen der Stadtverwaltung, indem sie am l. November 1928 Dr. Hugo Eckener und Dr. Ludwig Dürr die Ehrendoktorwürde der Math.-Naturwissenschaftlichen Fakultät verlieh.
In den Jahren 1929 und 1930 folgte naturgemäß der Krieg der Gutachter. Während die Luftschiffer selbst die meteorologischen Verhältnisse in der Freiburger Bucht als besonders günstig bezeichneten, war Prof. Dr. Peppler vom Meteorologischen Institut der Technischen Hochschule Karlsruhe in seinem Gutachten vom 26. 10. 1930 anderer Ansicht. Er meinte, die Reihenfolge müßte Karlsruhe, Baden-Oos und Freiburg lauten, während Frankfurt und Darmstadt - die sich zwischenzeitlich ebenfalls beworben hatten - nicht in Frage kommen könnten. Die Landeswetterwarte Karlsruhe dagegen schloß sich der Ansicht der Luftschiffer an und meinte, Freiburg sei der ideale Standort.
Letztlich siegten jedoch die Interessen der Reichsregierung, die von vornherein einen Platz in Berlin für den Weitluftschiff verkehr unterstützt hatte. Die Entscheidung fiel zu Gunsten von Berlin-Staaken. Vielleicht war die Stadt letztlich gar nicht einmal sehr enttäuscht über diesen Ausgang, hätte doch der Luftschiffhafen Kosten von mindestens 8 Millionen RM verursacht.
Wie ist die Begeisterung von Bevölkerung und Presse für das Luftschiffhafenprojekt, trotz der hohen Kosten, überhaupt zu verstehen? Hier sollten wir einen Blick in die Vergangenheit tun, die zugleich wieder Geschichte des Freiburger Flugplatzes ist.
Was für die Engländer ihre Schiffe, waren offensichtlich für die Deutschen ihre Luftschiffe. Es war schon ein Ereignis, als vom 4.-5. 8. 1908 der Zeppelin 4 erstmalig das Oberrheingebiet überflog. Nach einer glatten Landung in Echterdingen am 5. 8. 1908 wurde das Luftschiff durch eine Gewitterböe erfaßt, aus der Verankerung losgerissen und zerstört. Dieses Ereignis kam einer internationalen Katastrophe gleich und führte zur „Nationalspende des Deutschen Volkes" zur Erbauung weiterer Luftschiffe. Ein ähnliches Gefühl beschlich die Deutschen nur am 7. 5. 1937, als das LZ 129 „Hindenburg" in Lakehurst in Flammen aufging.
An diesen „Nationalen Ereignissen" nahm Freiburg erstmalig am 11. 9. 1909 teil. An diesem Tage überflog der Zeppelin 3 um 9.20 Uhr die Stadt und wurde mit begeisterten Hurra-Rufen begrüßt. In Verbindung mit den bereits geschilderten Zuverlässigkeitsflügen überquerten bis 1914 eine Reihe von Luftschiffen die Stadt und landeten auch in einzelnen Fällen.
Auch diese Entwicklung wurde durch den ersten Weltkrieg unterbrochen. Man empfand es daher als ein Ereignis von epochaler Bedeutung, als am 20. 9. 1928 das erste Luftschiff nach dem Kriege über Freiburg flog. Es handelte sich um LZ 127 „Graf Zeppelin", das die Stadt um 10.20 Uhr überquerte. Es war das 117. Luftschiff in der deutschen Geschichte. Zehn Nummern fehlen dazwischen; es handelt sich um Konstruktionen, die durch die Ereignisse des ersten Weltkrieges nicht fertig wurden.
Die Freiburger Tageszeitungen ergingen sich in „prosaischen Ergüssen". So schrieb die „Freiburger Zeitung" am 21. 9. 1928 „Der Zeppelin kommt! Ein Zauberwort, das die Herzen ergriff". Die „Freiburger Tagespost" meinte ebenfalls am 21. 9. 1928: „Gott segne Dich, Gott führe Dich, Gott schütze Dich! Nach dem Dunkel der Nacht hoffe ich auf die Sonne des Morgens!" Im Gegensatz zu diesem enthusiastischen Freudentaumel steht der Brief einer Schülerin der „Hilda-Schule" an den Oberbürgermeister, die sich bitter darüber beklagte, daß ihre Klasse den Zeppelin nicht ansehen durfte, sondern bei geschlossenen Fenstern dem Unterricht folgen mußte.
Als dann vom 15. 8. bis zum 4. 9. 1929 das gleiche LZ 127 seinen 20tägigen Weltflug erfolgreich durchführte und in Friedrichshafen landete, bekamen nicht nur die Kinder schulfrei, sondern die städtischen Gebäude und die Straßenbahnen wurden beflaggt. Der schulfreie Tag sollte dazu benutzt werden, „Besinnung über die Weltgeltung der Deutschen Arbeit anzustellen".
Der „Graf Zeppelin" erschien dann am 27. 8. 1930 wieder über Freiburg. Dabei wurde mißstimmig vermerkt, daß der Zeppelin in der Folgezeit zwar in Mannheim und in Karlsruhe, nicht jedoch in Freiburg landete. Auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 versuchte die Partei, die Popularität der Luftschiffe für ihre Zwecke auszunutzen. Nicht nur die Parteiorganisationen, sondern der Oberbürgermeister Dr. Kerber persönlich bemühten sich darum, einen Zeppelin nach Freiburg zu bekommen. Durch das starke Engagement der Luftschiffe für die „Saar-" und „Südamerikaflüge" konnte dem Wunsche jedoch erst am 27. 9. 1934 entsprochen werden.
Auch dieses Mal flog LZ 127 „Graf Zeppelin" über die Stadt, während am 5. 6. 1936 um 13.15 Uhr der stolze „Zeppelin-Neubau" LZ 129 „Hindenburg" Freiburg überflog. Das war das Ende eines stolzen Traumes.
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