City-Flugplatz Freiburg
Die Geschichte. Von Walter Vetter

Seite 8, 30er/40er Jahre:
Die Firma "Schindler - Flug"

Außer den genannten Einrichtungen des Linienfluges, der Tätigkeit des rührigen „BVL" und den sonstigen flugsportlichen Veranstaltungen beherbergte der Freiburger Flugplatz zur Zeit der „Weimarer-Republik" jedoch kurzfristig eine besondere Attraktion: den „Schindler-Flug".
Es handelt sich hierbei um ein Unternehmen, das „neuzeitliche Flugkunst" betrieb, wie aus dem Briefkopf mit einigem Selbstbewußtsein hervorgeht. Die Firma widmete sich der damals sehr populären „Luftakrobatik", einer Art Zirkuskunst der Luft, die mit Schindler ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende erreichte. Bei diesem Unternehmen füngierte Fritz Schindler als Luftakrobat und technischer Leiter, seine Braut, Fräulein Schumann, als Fallschirmspringerin, der St. Galler Kaufmann Billwiller als kaufmännischer Leiter, während der Böblinger Seeger die Finanzleitung in Händen hatte.

Man sieht, ein internationales Unternehmen, dessen Ruf auch dadurch unterstrichen wurde, daß es zu internationalen Flugtagen eingeladen wurde, und sich auch an den Wintersportveranstaltungen in St. Moritz beteiligte.

Der „Schindler-Flug" war ursprünglich in Stuttgart-Böblingen ansässig. Dort kam es offensichtlich zu finanziellen und sachlichen Differenzen mit der Flugleitung; auch wurde die Überbelegung des Platzes Böblingen für die Verlegung nach Freiburg genannt. Jedenfalls beeilte sich die Stadt unter der Federführung des in Flugplatzfragen altbewährten Bürgermeisters Hölzl, das interessante Unternehmen an Freiburg zu binden.
Am 8. 11. 1929 kam zwischen der Firma Schindler und der Stadtverwaltung eine Mietvereinbarung für die Benutzung des Platzes, der Hallen und der sonstigen Einrichtungen zustande. Die Firma mußte einen umfassenden Versicherungsschutz der Luft-Kollektiv- und Betriebshaftpflicht, sowie eine Kaution stellen. Diese Auflagen wurden prompt erfüllt und auch in der Folgezeit haben sich die Böblinger Unkenrufe über die mangelnde finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht bewahrheitet. Außer der Luftakrobatik wollte die Firma Schindler in Freiburg Schau-, Reklame- und Rundflüge durchführen sowie versuchen, einen regelmäßigen Flugbetrieb zum Feldberg einzurichten. Mit Ausnahme des Flugbetriebes auf den Feldberg sind diese Ziele auch weitgehend erreicht worden. Von Freiburg aus hat der „Schindler-Flug" eine Reihe von Flugtagen im damaligen Reichsgebiet organisiert und durchgeführt, die das lebhafte Interesse von Stadtverwaltung und Presse an einem Engagement dieses bedeutenden internationalen Unternehmens als Wirtschaftsfaktor in Freiburg rechtfertigten.
Das Unternehmen stationierte folgende Maschinen auf dem Platz; Dreisitzer Cirrus L 27, 85 PS; Siemens L 26, 75 PS; Sahmson L 25 A, 40 PS; Daimler-Klemm L 20, 20 PS.

Die Übersiedlung des Unternehmens nach Freiburg am 23. 12. 1929 war mit einer netten Geste verbunden: Für den Oberbürgermeister wurde ein Wimpel mit einer Grußbotschaft abgeworfen, der in der Wilhelmstraße 48 landete, während die Grußbotschaft mit einem Postsack für die damalige „Freiburger-Zeitung" in der Rosastraße 21 niederging. Damals bombardierte man Freiburg mit „freundlichen Grüßen" aus der Luft, während man heute nicht einmal einen Ball für ein Fußballspiel auf einem Sportplatz abwerfen darf.

Einen persönlichen Höhepunkt erlebte Fritz Schindler am 21. 4. 1930 bei einem Jubiläums-Flugtag in Berlin-Tempelhof anläßlich seines 10 jährigen Berufsjubiläums als Luftakrobat. Vorher hatte der „Schindler-Flug" am 30. 3. 1930 einen Flugtag auf dem Freiburger Flugplatz abgehalten, an dem die vier Maschinen des Unternehmens und Frl. Schumann als Fallschirmspringerin beteiligt waren. Neben Kunst- und Geschicklichkeitsflügen wurde Ballonrennen, Luftakrobatik und Höhenschätzen durchgeführt; ferner wurden Fesselballons abgeschossen. Da am gleichen Tage die Kirchenweihe von St. Konrad stattfand, wurde der Festversammlung ein Blumengruß aus der Luft kredenzt.

Dieses hoffnungsvolle Unternehmen fand jedoch ein jähes und erschütterndes Ende. Am 18. 9. 1930 versuchte Schindler in Stuttgart-Böblingen mit einer Stahlleiter von einer fliegenden Maschine in ein anderes Flugzeug umzusteigen. Die Leiter verfing sich in den Seitenrudern der beiden Flugzeuge, so daß die Maschinen abstürzten. Unter den vier Toten befand sich auch Fritz Schindler. Sein tragisches Ende löste in Freiburg aus wirtschaftlichen und menschlichen Gründen tiefes Bedauern aus.
Schindler hatte auch begonnen, in Freiburg eine Jungfliegergruppe aufzubauen. Auch beteiligte er sich am Ausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege. Schindlers Tod brachte am 31. 10. 1930 nicht nur die Auflösung seines Unternehmens, sondern auch in der Folgezeit ein generelles Verbot von Luftakrobatik im Reichsgebiet.

Durch den mit der „Schindler-Flug" per 15. 12. 1929 in Kraft getretenen Vertrag sind wir auch über die Rechtsgrundlagen zur Flugplatzbenutzung unterrichtet. Es handelt sich dabei um eine ortspolizeiliche Vorschrift vom 12. 5. 1925 über die Begrenzung und Begehung des Flugplatzes, und um eine Benutzungsvorschrift aus dem Jahr 1928 der Flughafenverwaltung über die „Ordnung für den Verkehrslandeplatz Freiburg", der Rechte und Pflichten der Flieger, der Benutzer, der veranstaltenden Organisationen etc. regelte und die behördliche Zuständigkeiten einschließlich der Hilfseinrichtungen festlegte und umriß.

vorige Seite       nächste Seite
zur Übersichtsseite

Mit freundlicher Unterstützung

FFH

beflügelt-Kommunikation


(weitere Sponsoren sind willkommen!)

© BI "Pro Flugplatz"