Seite 6, 30er/40er Jahre: Die parteiamtliche Organisation während des
"Dritten Reichs"
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Wenngleich der traditionsreiche „Breisgauverein für Luftfahrt" erst 1935 amtlich gelöscht wurde, so bestand für ihn keine Möglichkeit mehr, nach 1932 Flugtage durchzuführen.
1933 wurde die luftsportliche Betätigung im Reichsgebiet vereinheitlicht und als einziger Träger der „Deutsche Luftsportverband" bestimmt. Sein Leiter war der damalige Oberst Bruno Lörzer, der später Generaloberst und Chef des II. Fliegercorps wurde. Die Institution wurde ganz offensichtlich zur Zusammenfassung und vormilitärischen Schulung aller an der praktischen Luftfahrt und an der Luftsportausübung interessierter Kreise ins Leben gerufen.
Der „Deutsche Luftsportverband" trat am 26. 8.1934 in Freiburg erstmals offiziell mit einem Flugtag in Erscheinung, der der neuen Terminologie entsprechend „Volksflugtag" genannt wurde. Nach einem von Oberbürgermeister Dr. Kerber ausgemachten kräftigen „Sieg-Heil" auf Adolf Hitler und Göring rollte neben dem schon geschilderten Programm der Flugtage eine neue Schau ab: eine Luftschutzübung. Prominentester und volkstümlichster Teilnehmer dieser Veranstaltung war Gerhard Fieseier, der im gleichen Jahre in Vincennes den zwischen den beiden Weltkriegen erstmalig und einmalig vergebenen Titel eines Weltmeisters im Kunstflug errang. 1935 machte Fieseier als Konstrukteur des „Fieseier-Storches" von sich reden. An diesem Flugtag demonstrierten 8 Motorflugzeuge ihre Fähigkeiten vor etwa 8000 Zuschauern. Mit weiteren Veranstaltungen konnte der „Deutsche Luftsportverband", der in Freiburg durch das ehemalige „BVL"-Vorstandsmitglied Renker vertreten wurde, nicht in Erscheinung treten. Bereits 1936 war die Uhr für diesen Verband abgelaufen. Seine Aufgaben wurden ab 1937 durch das „Nationalsozialistische Fliegerkorps" (NSFK) übernommen, dessen Korpsführer General Christiansen wurde.
Das „NSFK" Freiburg bildete den Sturm IV/82 innerhalb der Gruppe 16 unter der Leitung von NSFK-Sturmführer Schilling. Das „NSFK" trat bereits vom 20.-25. 6. 1937 öffentlich in Erscheinung und zwar mit der Ausrichtung des „Deutschlandfluges", von dem rund 180 Maschinen in jenen Tagen Freiburg anflogen. Es ging um den Wanderpreis des Reichsministers für Luftfahrt, Hermann Göring. Das NSFK als parteipolitische Organisation übernahm damit eine Tradition, die 1911 als „Oberrheinischer Zuverlässigkeitsflug" auf mehr oder weniger militärischer Basis entstand, 1913 als „Prinz-Heinrich-Flug" zur ständigen Einrichtung wurde und im Jahre 1925 als „Süddeutschlandflug" und als „Deutschlandflug" auf privater Basis wieder zur Geltung kam. Wenn die Zuverlässigkeitsflüge vor dem ersten Weltkrieg in der Regel militärische Bedeutung hatten, so dienten die entsprechenden Veranstaltungen von 1925 bis etwa 1935 mehr der sportlichen Betätigung und der privatwirtschaftlichen Auswertung des eingesetzten Materials.
Der „Deutschlandflug" 1937 stand ganz im Zeichen der vormilitärischen Bildung eines Gemeinschaftsgeistes und der technischen Zusammenarbeit von Flugzeugführer, Orter und Bodenpersonal. Bei einer gleichartigen Veranstaltung in der Zeit vom 22. 5.-29. 5. 1938 war Freiburg Tank- und Übernachtungshafen für etwa 390 Flugzeuge.
Abschluß der „Deutschlandflüge" vor dem zweiten Weltkrieg für den Freiburger Flugplatz war der „Zielstrecken-Wettbewerb", der im Juni und Juli 1939 durchgeführt wurde und für den Freiburg vom 17.—18 Juni 1938 Durchgangshafen war. Träger der Veranstaltung war auch hier das „NSFK", Gruppe 16, Standarte 82. Die örtliche Ausrichtung hatte der „Freiburger Sturm 4" unter Truppführer Schmidt. Für die 120 Teilnehmer wurde ein „Bunter Abend" im Saalbau Wiehre an der Brombergstraße mit einem weltanschaulichen und bodenständigen Programm veranstaltet. Der offizielle Empfang für den Corpsführer und General der Flieger Friedrich Christansen und 10 Herren seines Stabes fand nach einer Begrüßung auf dem Flugplatz im Rathaus statt.
Interessant ist dabei, daß nicht Kreisleiter Dr. Fritsch, sondern Oberbürgermeister Dr. Kerber den verhinderten Gauleiter Robert Wagner vertreten hat. Umrahmt wurde die offizielle Begrüßung von dem aus 36 Mann bestehenden „NSFK-Stabmusikzug". Bei dem Abendessen auf dem „Jägerhäusle" ist als Glosse zu vermerken, daß RM 111.60 als Bewirtungsmehrkosten entstanden, die zunächst Rätsel aufgaben.
Es stellte sich dann heraus, daß ein „NSFK"-Unterführer der Auffassung war, daß ein feudales Abendessen nicht nur der Parteiprominenz, sondern auch seinen Absperrmannschaften zustehen würde. Er lud sich und seine Leute folglich selber ein. Die Stadt war nicht bereit, den relativ geringen Betrag von RM 111.60 zu übernehmen und verhandelte noch bis zum Januar 1940 mit dem „NSFK" wegen der Übernahme dieser Mehrkosten.
Der Betrag wurde dann doch zu Lasten der Stadtkasse abgebucht, nachdem Truppführer Richard Schmidt mit Schreiben vom 24. l. 1940 erklärte, daß der Betrag nach dem „Endsieg" sicher bezahlt werden würde. Auch sonst erwies sich die Stadtverwaltung in der Unterstützung parteilicher Institutionen nicht großzügig. So hat sie einige Jahre früher den Wunsch des damaligen Rektors der Universität, Professor Dr. Mangold, seine flugbegeisterten Studenten bei der Anschaffung von Uniformen finanziell zu unterstützen, abgelehnt.
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