Seite 5, 30er/40er Jahre: Der private Flugbetrieb
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Die bisherige Darstellung hat schon gezeigt, daß der Flugplatz eigentlich nur während der Zeit der beiden Weltkriege eine rein militärische Einrichtung gewesen ist. Marksteine in der Geschichte des Flugplatzes haben in erster Linie private Einrichtungen und Initiativen in Verbindung mit einer aufgeschlossenen und zu sachlichen und finanziellen Unterstützungen bereiten Stadtverwaltung gesetzt. Die erste Initiative für luftsportliche Betätigung und für eine Fliegerei im Räume Freiburg überhaupt ging 1907 von dem heute noch bestehenden „Breisgauverein für Luftfahrt" aus. Die Gründung erfolgte am 24. Mai 1907 noch unter der Bezeichnung „Oberrheinischer Verein für Luftschiffahrt, Straßburg, Gruppe Freiburg". Am 18. 3. 1909 wurde der Vereinsname in „Breisgauverein für Luftschiffahrt Freibürg", und am 29. 3. 1912 in „Breisgauverein für Luftfahrt e. V." geändert. Die Generalität war zunächst auf den Posten des Vorsitzers abonniert. General der Infanterie Hans Gaede leitete ab 1907 die Vereinsgeschicke, 1917 folgte General Max Sommer und 1923 Generalleutnant Theodor Mengelbier.
Die ersten Jahre waren gekennzeichnet von der Ballon- und Zeppelin-Luftschiffahrt. Die Begeisterungsstürme, die die „Zeppeline" in den ersten drei Jahrzehnten unseres Jahrhunderts auslösten, übertrugen sich auf die junge Motor- und später Segelfliegerei. So war es auch in Freiburg: Ein Freiballon eröffnete am 26. 5. 1907 die Ära der Fliegerei. Der vom „Breisgauverein für Luftfahrt" (BLV) gecharterte Ballon unter der Führung von Hauptmann Spangenberg startete am „alten Gaswerk" an der Ferdinand-Weiß-Straße. Rund 25 Jahre lang wurden hier die Ballonfahrten gestartet und nicht auf dem Exerzierplatz. Bereits 1911 feierte man die 50. Ballonfahrt. Diese erstreckten sich nicht nur auf den Heimatbereich; bis in die Rheinlande, in die Bretagne und an die böhmische Grenze führten die Reisen. Ebenfalls 1911 fuhr ein Freiballon zur „Internationalen Ausstellung" nach Turin und nahm dort an Höhenflügen teil. Professor Dr. Robert Liefmann, ein anerkannter Rechtswissenschafter der Universität, organisierte die Fahrten. Er war einige Jahre Vorsitzender des BLV nach dem l. Weltkrieg und an den „Pfingst Segelflugtagen" auf dem Feldberg 1932 maßgebend beteiligt. Als Opfer einer verhängnisvollen Rassenpolitik im „Dritten Reich" erfüllte sich sein Leben am 21. 3.1941 im Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich.
Der erste Freiballonstart nach dem l. Weltkrieg sollte 1928 wieder auf dem alten Platz am Gaswerk erfolgen, verbunden mit einer Autoverfolgungsfahrt des ADAC. Geliehen wurde der Ballon vom „Frankfurter Verein für Luftschiffahrt". Das Glück war dem Veranstalter nicht hold. Durch einen Windstoß blieb der Ballon an einer Telegrafenleitung hängen und mußte notlanden. Man suchte nun nach einem geeigneteren Platz. Man fand ihn auf dem Gelände Ecke Gutleut- und Schönbergstraße, heute Ecke Karl-Kistner- und Eschholzstraße und mit Kleingärten belegt. Am 28. Juli 1931 fand hier der erste, geglückte Start statt. Auch dieser Aufstieg war mit einer Autoverfolgungsfahrt verknüpft. Für die Unterhaltung sorgte die Sanitätskapelle Freiburg. Eine ähnliche Veranstaltung wurde am 25. 6. 1933 durchgeführt. Einen Freiballon auf den Namen „Freiburg" gab es aber wohl nur einmal. Er gehörte dem „BLV" und wurde 1910 von Oberbürgermeister Dr. Otto Winterer getauft.
Auch für die bauliche Entwicklung vom Exerzierplatz zum Flughafen gab der „BLV" den ersten Anstoß. Anläßlich des „Oberrheinischen Zuverlässigkeitsfluges" am 20. 5. 1911, dessen örtliche Ausrichtung der „Breisgauverein für Luftfahrt" übernommen hatte, wurde die erste provisorische Flugzeughalle in Gestalt eines Schuppens errichtet. Im Sommer 1912 folgte die erste feste Halle, da nun der Exerzierplatz immer häufiger für Flugzeuge verwendet wurde. Der erste Flugtag unter der Regie des „BLV" fand ebenfalls am 20./21. 5. 1911 statt. Dieses Datum wurde damit zum Geburtstag für die Tradition der Freiburger Flugtage, die der BLV bis in unsere Tage fortsetzt. Der Verein hat damit wie keine andere Institution der Freiburger Bevölkerung die Idee des Flugsports und des Luftverkehrs nahe gebracht. Zu den populären Gestalten jener Jahre auf dem „Exi" zählte der Freiburger Ingenieur Oskar Heim, der mit seinem Flugzeugführerpatent Nr. 22 einen Wright-Doppeldecker flog und damit die früheren Vorführungen des Bleriot-Eindeckers wirkungsvoll ergänzte.
Nachdem das als Folge des ersten Weltkrieges verhängte Flugverbot für Deutschland aufgehoben wurde, regte sich auch der „Breisgauverein für Luftfahrt" wieder. Im Jahre 1925, als private Unternehmer in Verbindung mit der Stadt Freiburg daran gingen, sich für einen regelmäßigen Flugliniendienst zu interessieren, brachte auch der „BVL" den Gedanken der Fliegerei der Freiburger Bevölkerung wieder ins Bewußtsein. Am 14. 6. 1925 veranstaltete er auf dem Flugplatz das erste Schaufliegen, an dem auch die drei Flugzeuge der „Luftverkehrsgesellschaft Schwarzwald G.m.b.H." als Chartermaschinen teilnahmen. Davor hatte es lediglich im Jahre 1924 eine Flugveranstaltung der Frontfliegerorganisation gegeben. Das finanziell unbefriedigende Ergebnis des Flugtages von 1925 (Debetsaldo RM 4000.-) entmutigte den „BVL" nicht, mahnte ihn jedoch zur Vorsicht bei künftigen Veranstaltungen. Der nächste Flugtag am 17. 7. 1927 sah daher den „BVL" nur als örtlichen Organisator. Die Trägerschaft hatte der seinerzeit populäre Verein „Hessen-Flieger" in Darmstadt. Die Flugleitung Freiburg der „Deutschen Lufthansa" führte im Zusammenhang mit dem Flugtag Rund- und Passagierflüge mit dem in Freiburg stationierten Linienflugzeug durch. Der „BVL" probierte ein Segelflugzeug (Gleiter) des Typs „Rhön-Rossitten" am Schönberg aus.
Neben den Vorführungen der „Hessenflieger" und der „Lufthansa" waren Fallschirmabsprünge des ehemaligen Oberleutnants Trübner und seiner Frau aus einem „LVG VP-Reichardt-Sportkraftflugzeug durchgeführt worden. Für Kunst- und Schauflüge waren eingesetzt: Sportdoppeldecker „Dietrich", Kassel, mit Hauptmann Felmy, Sportdoppeldecker „Schwalbe" mit dem Freiburger Fluglehrer Haal, „Klemm-Daimler L 20", Leichtflugzeug-Eindecker, „Pelikan"-Doppeldecker und die genannte „LVG VI". Für das Publikum wurde ein ehemaliges Pferdezelt aufgestellt, das man von der Stadtverwaltung leihweise erhielt. Zuvor mußte das Flugfeld wieder in Ordnung gebracht werden, das an den Schafhalter Schaible aus Bergfelden am Neckar als Weideland verpachtet war. Schaible mußte erst aus seiner Heimat herbeizitiert werden, um Gras und Unkraut zu entfernen. Trotz des attraktiven Programms und des Verzichtes der Stadt auf jegliche Gebühren endete auch dieser Flugtag mit einem finanziellen Fiasko.
Am l. 7. 1928 fand der nächste Freiburger Großflugtag statt, und er war wirklich ein „großer Flugtag". 10000 Personen, so schätzte die Polizei, waren auf dem Flugplatz versammelt und erfreuten sich eines hervorragenden Programms. Dank der guten Organisation war auch ein einigermaßen akzeptables finanzielles Ergebnis erzielt worden. Der Fehlbetrag betrug lediglich RM 709.- und war darauf zurückzuführen, daß allein RM 600.- an die Polizei für Absperrkosten zu bezahlen waren und im übrigen der Luftakrobat Oskar Dimpfel ein recht stattliches Honorar erhielt. Die Luftakrobatik war in jenen Jahren sehr verbreitet und mit dem Kunstflug nicht zu verwechseln. Dimpfel führte am Flugzeug Trapezkunststücke, Entkleidungsszenen und Tragflächenklettereien aus. Für den Kunst- und Schauflug waren drei Doppeldecker (Schwalbe mit Haal, Dietrich mit Lübers, Flamingo mit Kern) und zwei „Klemm-Daimler"-Leichtflugzeuge (mit Weller und Hanser) eingesetzt. Die jetzt als Linienmaschine stationierte „Dornier-Merkur" der „Deutsehen Lufthansa" führte wieder Rundflüge durch.
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