City-Flugplatz Freiburg
Die Geschichte. Von Walter Vetter

Seite 4, 30er Jahre: Der weitere Ausbau des Flugplatzes


Luftaufnahme

Die zunehmende Aktivität auf dem Flugplatz in wirtschaftlicher und sportlicher Hinsicht brachte in Verbindung mit der fortschreitenden technischen Entwicklung auch eine Verbesserung der Einrichtungen des Flugplatzes mit sich.
In den Jahren 1933/34 wurde noch ein Antrag der Stadtverwaltung auf Einrichtung einer Peilstation abgelehnt. Am 21. Oktober 1935 jedoch traf die Genehmigung für eine Boden-Peil-Station ein, die bereits am 11. 11. 1935 provisorisch und am 2. l. 1936 endgültig in Betrieb genommen wurde. 1937 wurde die Peilstation technisch ausgebaut und ein eigenes Peil-Häuschen errichtet. Die Freiburger Station unterstand der Hauptleitstelle in Stuttgart, das auch Sitz des Luftamtes seit 1936 war. Die Frequentierung des Platzes, durch die 1935 entstandene und 1936 nach Freiburg gelegte Luftwaffe, machte auch eine Erweiterung des Geländes notwendig.
Zunächst mußte eine Einschweb-Peilschneise angelegt werden. In den Jahren 1935 bis 1938 wurde der Platz in Etappen in Richtung Mooswald erheblich erweitert, um 1939 nach entsprechenden Meliorations-Arbeiten im Mooswald durch den Reichsarbeitsdienst und weitere Rodungen seine jetzige Größe zu erreichen.

Diese Arbeiten gingen nicht ohne beträchtlichen Widerstand des Forstamtes und des „Reichsnährstandes" vonstatten. Letztere Institution der nationalsozialistischen Ära war bestrebt, möglichst viel bäuerliches Ackerland zu erhalten. Nachdem diese Einstellung durch die Nähe der herauswachsenden Großstadt im Laufe der Zeit sowieso ad absurdum geführt worden wäre, waren die Auffassungen des Forstamtes schon besser fundiert und auch unseren heutigen Interessen am Landschaftsschutz verpflichtet. Oberforstrat Dr. Schweigler wies auf die beträchtliche Störung des Alterklassenaufbaus im Mooswald hin, und setzte sich mit Herrn Schimpf vom Städtischen Gartenamt und der Naturschutzbehörde für den Erhalt besonders schöner Baumbestände ein. Vor allen Dingen war die Linde am ehemaligen Wachthaus des Scheibenweges monatelanges Streitobjekt.
Der Baum wurde als „das Schönste, was in der dortigen Gegend zu finden ist" in einer Vorlage vom 5. 3. 1935 bezeichnet. Ein knappes Jahr später mußte die Linde auf Weisung des Luftkreiskommandos V in München doch gefällt werden, da diese Behörde eine beträchtliche Gefahr für die Flugsicherung in diesem Baume sah.
Die Eingaben der Stadt und der Hinweis alter Weltkriegsflieger, daß sie mit ihren alten Apparaten auch nicht an diesem Baume hängengeblieben seien, und man von modernen Flugzeugen auch bessere Leistungen verlangen könne, fruchteten nichts. Auch die Abholzung des Mooswaldes schritt weiter voran. Allerdings konnte Landeskommissär Schwörer in seiner Genehmigung für den Einschlag vom 11.1. 1936 doch das Zugeständnis machen, die Arbeiten auf drei Jahre zu verteilen.

Die übrigen Voraussetzungen für die Ausgestaltung des Platzes waren dadurch gegeben, daß man bereits 1934 die Sportplätze des Tennenbacher Feldes schloß. Auch das 1927 erbaute Winterer-Stadion mußte 1939 abgerissen werden. Für die Unterbringung des Personals der neuen vormilitärischen und militärischen Einrichtungen wurde im Mai 1936 mit dem Ausbau der ehemaligen Fliegerkaserne begonnen, die nun wieder von Wohnbauten in Zweckbauten umgestaltet wurde. Im gleichen Jahr gelangte auch eine weitere Flugzeughalle in Holzkonstruktion der Firma Carl Riehl aus Renchen zur Aufstellung. Die Halle war ursprünglich für einen Flugplatz in Kehl gedacht. Nach Auflösung des „Deutschen Luftsportverbandes" 1936 wurde die Halle durch das „NSFK" und die Übungsstelle 15 der Luftgaureserve benutzt. Bereits im Jahre 1937 stellte das „NSFK" den Antrag auf den Bau einer dritten Flugzeughalle.
Trotz der vormilitärischen Bedeutung dieser Parteigliederung war es innerhalb von vier Jahren nicht möglich, diesem Wunsche des „NSFK" Rechnung zu tragen. Die Akten geben darüber Auskunft, daß es Schwierigkeiten in der Material- und Rohstoffbeschaffung gewesen sind, die dieses Anliegen der Flieger nicht zur Verwirklichung kommen ließen.
Zunächst war eine Eisenkonstruktion vorgesehen, die jedoch aufgrund fehlender Eisenzuteilungen nicht gebaut werden konnte. Daraufhin nahm man eine Umplanung in Holzbauweise vor. Nun änderte sich auf einmal wieder die Versorgungslage, so daß 1938 keine Bezugsscheine für die Lieferung von Bau- und Rundholz zu erhalten waren. Folgerichtig plante man dann wieder eine Halle in Eisenkonstruktion und legte die Pläne im Frühsommer 1939 vor. Die Gesamtbaukosten sollten sich auf RM 215000.- belaufen. Dabei war eine zusätzliche Aufteilung der Halle in Werkstatträume für die „Deutsche Lufthansa" und für das „NSFK" sowie in Bauräume für die Segelflieger berücksichtigt. Trotzdem die Halle ohne Zweifel auch militärische Bedeutung haben konnte, wurde ihr Bau bis zum Jahre 1941 nicht genehmigt!

Am deutlichsten kamen die mißlichen Verhältnisse beim Bau des neuen Empfangsgebäudes für die „Lufthansa" (seinerzeit Aufnahmegebäude genannt) zum Ausdruck. Das alte Empfangsgebäude zwischen der Fliegerkaserne und dem Torminschen Anwesen war ein umgebauter Kraftfahrzeugschuppen, der den Belangen des zunehmenden Passagierverkehrs und den modernen Flugsicherungseinrichtungen nicht mehr Rechnung trug. Außerdem sollte das Gebäude für die Fliegerübungsstelle verwendet werden.

1936 plante daher das städtische Hochbauamt den Neubau eines „Lufthansa-Empfangsgebäudes" gegenüber der „Hohen Brücke". Motiviert mit Arbeitsüberlastung, ganz offensichtlich aber um den vor dem ersten Weltkrieg über die Grenzen Freiburgs hinaus als Baukünstler von hohen Graden bekannten Architekten Rudolf Schmid wirtschaftlich zu helfen, schlug das städtische Hochbauamt unter Oberbaudirektor Joseph Schlippe die Übertragung der Planungsarbeiten an Rudolf Schmid vor.

Dieser schuf 1937, mit einigen Änderungen im Jahre 1938, einen durchaus ansprechenden Plan, der jedoch nicht die Zustimmung des Luftamtes Stuttgart fand. Wenn auch die Stadt als Bauträgerin auftrat, so war aufgrund der Bezuschussung durch das Reichsluftfahrtministerium ein Einspruchsrecht dieser Stelle gegeben. Das städtische Hochbauamt war daher 1938 gehalten, einen eigenen Vorentwurf des Jahres 1936 in einer schlichteren Form, als es der Schmidsche Entwurf vorsah, weiter zu entwickeln und in den folgenden Jahren zur Ausführung zu bringen. Im Mai 1939 war der Rohbau (ohne Dach) fertiggestellt, im Oktober 1941 der Innenausbau immer noch nicht beendet. Ursache hierfür war der Mangel an Arbeitskräften.

Interessant ist es für den heutigen Betrachter festzustellen, in welch starkem Maße das Tauziehen der städtischen und staatlichen Dienststellen sowie der Wehrmacht und der Gendarmerie über den Einsatz der damals vorhandenen Handwerker vonstatten ging. Aufgrund des stets sich erhöhenden und veränderten räumlichen Bedarfes waren laufend Umplanungen während der Errichtung des Gebäudes notwendig. Hin und her ging es um eine Verlängerung des Gebäudes um je eine Achse nach jeder Seite, um einen zweigeschossigen Bau oder um einen solchen mit drei Obergeschossen, um den räumlichen Ausbau eines zunächst als Terrasse vorgesehenen westlichen Gebäudeteiles. Als man dann ein Gebäudeteil - nämlich den Turmaufbau - glücklich fertig hatte, wurde dieser am 5. 6. 1940 ohne viel Federlesens wieder abgesägt, um Platz für ein 2-cm-Flakgeschütz zu schaffen.

Wenn man sich vergegenwärtigt, daß neben den Belangen der „Deutschen Lufthansa" in der Zeit von 1939 bis 1941 auch die Polizei-Flugbereitschaft, die Radiosondenaufstiegstelle, die Wetterwarte, das Luftnachrichtenamt, die Luftaufsicht mit dem Ausbau der Flugsicherungseinrichtungen, eine Bildstelle und eine nicht näher bezeichnete Einrichtung für Luftwaffenoffiziere in dem Gebäude untergebracht werden sollten, und diese Dienststellen durchaus nicht gleichzeitig und einheitlich ihr Raumprogramm bekanntgaben, kann man sich die Schwierigkeiten vorstellen, die sich bezüglich der Fertigstellung des Gebäudes ergeben haben.

Während der Bauarbeiten waren die ganzen genannten Einrichtungen in Baracken neben der Baustelle untergebracht. Für die bauliche Konzeption auf dem Flugplatz war das städtische Hochbauamt unter Oberbaudirektor Joseph Schlippe, Stadtarchitekt Bauer und Oberbaurat Werner verantwortlich, während für den Flugplatz als städtische Einrichtung der Fuhrpark/Flughafenverwaltung (Baurat List) zuständig war. Nach den bisherigen Feststellungen wurde im November 1941 der gesamte Flugplatz von der Luftwaffe übernommen, so daß diese ausschließlich zuständig wurde. In der Vergangenheit hatte sich der militärische Flugplatzkommandant stets mit der städtischen Flughafenleitung abzustimmen. Auf Ende 1941 ist auch die Fertigstellung des Empfangsgebäudes anzusetzen.

Der architektonische Teil der Flugplatzanlage vor 1945 soll nicht abgeschlossen werden, ohne die Pläne für die künstlerische Ausgestaltung zu erwähnen. Wohl auf Veranlassung des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Kerber erhielt der begabte Bildhauer Hellmuth A. Hopp den Auftrag, die Freitreppe zum neuen Empfangsgebäude mit zwei Symbolen der Fliegerei zu schmücken. Gedacht war zunächst an zwei Adler-Plastiken. Um dem Künstler für seinen Entwurf eine gedankliche Hilfestellung zu geben, schrieb Oberbaudirektor Schlippe am 24. 10. 1939, daß diese Adler Symbol der Fliegerei sein sollen und daher schlank und schnittig ohne Hoheitszeichen ausfallen müßten. An eine „Mastgans" sei nicht gedacht. Im November 1939 fiel dann die Entscheidung für zwei „schwebende männliche und weibliche Gestalten", die Hopp an Stelle von zwei Adlern als Entwurf vorlegte. Die etwas überlebensgroßen, beschwingten Figuren wurden in rotem Maintäler Sandstein durch den Bildhauer Gustav Messerschmid ausgeführt und waren 1941 fertig. Im gleichen Jahr fiel Hopp an der Ostfront.


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