City-Flugplatz Freiburg
Die Geschichte. Von Walter Vetter

Seite 1b: 1. Weltkrieg


Bruder Markus 1918 in "Siemens-Kampfeins"

Bei Ausbruch des l. Weltkrieges wurde die Fliegerstation zunächst als Etappen-Flugplatz benutzt, der später nach Neu-Breisach verlegt wurde. An seine Stelle kam eine Armee-Fliegerabteilung, die im Hinblick auf die stärkere Tätigkeit französischer Flugzeuge über Freiburg Ende 1916 nach Müllheim kam. Nun wurde Freiburg Standort der Kampf-Einsitzer-Staffel 4b, die man heute als Jagdfliegerstaffel bezeichnen würde, und die die Flugabwehr auf dem Schloßberg unterstützen konnte. Beide Maßnahmen, Flugabwehrkanonen und Kampfeinsitzer (Jagdflugzeuge), waren erforderlich, um der Aktivität französischer Flugzeuge über Freiburg Einhalt zu gebieten. Die Stadt bekam bereits im ersten Weltkrieg mit Karlsruhe und Mannheim die Wirkungen moderner Luftkriegsführungen zu spüren.

Die Flugabwehr bestand aus einer Stabsoffiziersstelle, einer Kommandantur für Flugabwehr mit Funkstation, Scheinwerfern und Fliegerabwehrkanonen.

Die Flughauptwache lag ab Dezember 1914 auf der Ludwigshöhe des Schloßberges, nach neuen, mündlichen Berichten von Augenzeugen auf dem „Hinteren Schloßberg" im Areal des ehemaligen Adlerschlosses der vaubanschen Befestigungen (1678-81). Die Fliegerstation auf dem Flugplatz wurde von der 3. Kompanie des Fliegerbataillons Nr. 4 belegt. Ihr standen rund 10 Kampf einsitzer der Typen Fokker, Roland-Haifisch, Albatros D III und D V zur Verfügung. Gegen Ende des Krie ges fand eine Umrüstung auf die modernen Jagdflugzeuge „Siemens D V" statt. Zugleich wurde die Einheit in „Jagdstaffel 84" umbenannt. Erster Führer war 1916/17 Rittmeister Wulf, 1917/18 Leutnant Dr. Eugen Weber und 1918 Offiziers-Stellvertreter Paul Leim. Ihm verdankt der Verfasser die Angaben über die Belegung des Flugplatzes bezüglich der Kampfeinsitzer. Leim ist Ehrenpräsident des „Breisgauvereins für Luftfahrt" und lebt heute in Hausach. Zu den „Alten Adler" jener Jahre zählt auch Leopold Anslinger, der jetzt hochbetagt in Freiburg wohnt. 1913 machte er sein Fluglehrer-Patent bei den Goedecker-Flugzeugwerken in Mainz-Gonsenheim. Noch bis zum zweiten Weltkrieg war Anslinger als Fluglehrer tätig, zeitweise auch in Freiburg.

Über der Stadt und ihrer Umgebung wurden insgesamt 10 Flugzeuge abgeschossen. Zwei Maschinen gingen allein auf das Konto des Unteroffiziers Böhme, der sie am 25. 9.1915 zur Landung bei Elzach zwang. Der Luftkrieg fand offensichtlich unter gleich starken Gegnern statt, denn in dieser Zahl sind die Erfolge der Fliegerabwehr auf dem Schloßberg enthalten. Nach Angaben von Ernst Scheu wurden 1919 die Flugzeuge in Straßburg den Franzosen übergeben. Es scheint sich dabei jedoch nur um einzelne Maschinen, wahrscheinlich die neueren Typen, gehandelt zu haben. Einige Flugzeuge gelangten nach Halberstadt. Von dort aus sollen sie teilweise noch an Freikorpskämpfen teilgenommen haben.

Im Laufe des ersten Weltkrieges wurde in Ergänzung der Fliegerstation mit Schulbetrieb und der Kampfeinsitzerstaffel noch eine weitere, militärische Einrichtung auf dem Flugplatz geschaffen: Die Militärfliegerschule. Kommandeur der Freiburger „Fliegergeschwaderschule", so lautete die offizielle Bezeichnung, war Oberstleutnant Francke. Er wurde auch beauftragt, eine 550 bis 600 Mann starke Fliegerersatzabteilung mit Werft in Freiburg aufzubauen. Ihre Einrichtung, für den August 1915 vorgesehen, scheiterte nicht nur an der Frontnähe, sondern auch an den räumlichen Unzulänglichkeiten. Weder die Stadtverwaltung noch die Freiburger Regimenter waren willens, Gelände und Baulichkeiten zur Verfügung zu stellen. Diese Haltung war für Kriegszeiten um so erstaunlicher! Francke verlegte 1916 seine Einheiten nach Leipzig-Heiterblick.

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